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Indianerfilmwoche "Echte Indianer"

Filmwoche „Echte Indianer“
29.04. – 05.05.2011,
Maxim-Kino, Landshuter Allee 33, München

(Programm siehe unten)

Indianer lassen die Kinokassen klingeln – zumindest, wenn es um den Schuh des Manitu geht, der über 11 Millionen Besucher in die Kinos lockte. Auch der etwas biedere Apachenhäuptling Winnetou war bei den Deutschen in den 1960er Jahren so beliebt, dass Darsteller Pierre Brice als Teenieschwarm mehrfach die Titelseiten der Bravo schmückte. Im Osten genoss Indianerdarsteller Goyko Mitic Kultstatus. Doch darüber hinaus? John Ford schickte die Armee gegen die „Rothäute“ und prägte nachhaltig das Hollywoodklischee der Ureinwohner Nordamerikas, die stets in Tipis hausten, alle im Monument Valley lebten und absolut nichts mit der Realität zu tun hatten. Auch der sensationelle Erfolg von Kevin Costners Der mit dem Wolf tanzt bemühte nur wieder das Klischee des „edlen Wilden“, auch wenn dieser endlich mehr als nur „hough“ sagen durfte.
Echte Indianer sehen anders aus und haben inzwischen selbst die Regie übernommen. Einer der bekanntesten indianischen Regisseure, Chris Eyre, konnte mit seinen Filmen wie Smoke Signals oder Skins internationale Anerkennung gewinnen. Sie zeigen die indianische Gegenwart in all ihren Facetten – mit Witz und entwaffnendem Humor, Wut und Widerstand.
Die Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte will das Hollywoodklischee überwinden und zeigt im Rahmen der Filmwoche „Echte Indianer“ mit sieben Themenabenden im Maxim-Kino eine Auswahl dieser aktuellen Dokumentationen und Spielfilme von und mit Indianern, darunter selten gezeigte Produktionen aus den USA und Kanada.

„Echte Indianer“

Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation Reel Injun (CDN/D/NL 2009) bietet einen humorvollen Überblick über die Gesichte und Entwicklung des Indianerbilds durch Hollywood. Der indianische Filmemacher Neil Diamond hat sich von Kanada aus in einem typischen „rez car“ auf den Weg nach Hollywood und auf die Spurensuche nach den Leinwandindianern begeben. Was er dabei an Skurrilitäten aufgetrieben hat, kann einem mitunter die Tränen in die Augen treiben – vor Lachen.
Humor und Wirklichkeit treffen auch in Powwow Highway (Jonathan Wacks, USA 1988) gelungen aufeinander. Der Cheyenne Buddy Red Bow erfährt, dass seine Schwester, die er seit Jahren nicht gesehen hat, im fernen New Mexico unter zweifelhaften Umständen verhaftet wurde. Zusammen mit seinem Kumpel Philbert Bono begibt er sich in einem Schrotthaufen auf vier Rädern auf den Weg nach Santa Fe, um seine Schwester aus dem Gefängnis zu holen. Auf ihrer Reise passieren der AIM-Aktivist Red Bow und der Träumer Bono die heiligen Stätten der Indianer und die Schauplätze des Widerstands. Am Ende des witzigen Roadmovies hat sich eine neue Freundschaft zwischen den ungleichen Männern entwickelt, welche Tradition und Moderne neu verbindet.

On the Rez

Der Themenabend verknüpft zwei unterschiedliche Völker, die Innu in Labrador und die Lakota in South Dakota, die eines verbindet: das Problem des Alkohols. Surviving Canada (CDN, 2004) hat Filmemacher Ed Martin seine Dokumentation über die Mushua Innu genannt, doch das Überleben fällt schwer, wenn die Wurzeln eines Volkes zerstört werden, das einst in Freiheit von der Jagd lebte und nun in einem schäbigen Dorf zwangsangesiedelt ohne jede Perspektive dahinvegetieren muss. Alkoholismus, Drogenmissbrauch und Selbstmorde unter Jugendlichen und Kindern prägen den trostlosen Alltag, dem nur wenige die Kraft der Traditionen und der indigenen Identität entgegensetzen können.
Das Bild des besoffenen Indianers ist aus den Klischees nicht wegzudenken, doch leider ist der Anblick oft Realität. In seinem Spielfilm Skins (USA 2002) lässt Regisseur Chris Eyre den Hauptdarsteller Graham Greene als versoffenen Vietnam-Veteran Mogie mit schauspielerischer Höchstleistung brillieren. Der Oneida-Indianer, der seinen Durchbruch mit Dances With Wolves schaffte, gehört zu renommiertesten Schauspielern der Gegenwart – nicht nur als Indianer. Mogies Bruder, Rudy Yellow Lodge, hat es sich als Stammespolizist zum Ziel gesetzt, den Alkoholismus und das Chaos auf der Pine Ridge Reservation zu bekämpfen, was ihn jedoch in Konflikt mit seinem alkoholsüchtigen Bruder führt. Erst nach einigen tragischen Zwischenfällen finden die beiden Brüder zueinander. Eyre versteht es in überzeugender Weise, selbst diesem düsteren Thema mit indianischem Humor zu begegnen und wurde dafür auf dem Sundance Film Festival ausgezeichnet. Auch Greene wurde für seine schauspielerische Leistung mehrfach mit Preisen geehrt.

Rauchzeichen

„Rauchzeichen“ besonderer Art sendet Chris Eyre mit seinem Spielfilm Smoke Signals (USA 1998) über die Leinwand. Das humorvolle Roadmovie erscheint wie eine aktuelle Fortsetzung von Powwow Highway, die dem Schauspieler Adam Beach zum Durchbruch verhalf und schon Kultstatus erlangt hat. Beach spielt Victor, einen ungestümen, jugendlichen Coeur d’Alene-Indianer, dessen Vater (Gary Farmer) die Familie verließ, als Victor noch ein Kind war. Die Wunden der Vergangenheit schmerzen noch, als sich Victor unwillig auf den Weg nach Arizona macht, um die Asche seines verstorbenen Vaters abzuholen. Der Sonderling Thomas drängt sich ihm als Reisebegleiter auf und nervt ihn mit seinen Geschichten und Mythen, bis selbst Victor erkennen muss, dass sie ein Teil seiner Heilung sind. Smoke Signals basiert auf dem Roman des erfolgreichen Schriftstellers Sherman Alexie (selbst Coeur d’Alene) und war die erste rein indianische Produktion.
Die Narben des jungen Victor zeichnen alle indigenen Völker Nordamerikas – Erbe einer rassistischen Kolonialherrschaft, deren Auswirkungen die Dokumentation The Canary Effect (USA 2010) nachspürt. Yellow Thunder Woman, Sängerin der indianischen Rockband The Bastard Fairies, hat für ihren Dokumentarfilm prominente Interviewpartner vor die Kamera geholt und in alten Archiven gewühlt (u.a. offen rassistische Disney-Produktionen), doch es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um die gegenwärtige Situation zwischen Ausbeutung, Armut und Elend. Dass Indianer nicht nur Opfer sind, belegt ihre eigene Biographie.

„Indianische Frauen“

Frauen spielen eine wesentliche Rolle im Widerstand. Eine der prominentesten Kämpferinnen für die indigenen Rechte ist Winona LaDuke. Die Anishinabe betreibt Wildreisanbau, Diabetesprogramme, engagiert sich gegen Atompolitik und war sogar als US-Vizepräsidentschaftskandidaten für Ralph Nader im Rennen. Die Dokumentation Donnervogelfrau (Bertram Verhaag/Claus Biegert, D 2003) begleitet die Aktivistin und erfolgreiche Autorin bei ihrem vielfältigen Engagement.
Als tapfere Kämpferin gilt auch Mary Crow Dog, eine Lakota, die sich von einem Leben der kulturellen Entwurzelung durch Internatsschule, Straße und Alkohol befreite und zu einer Aktivistin entwickelte, die an den Aktionen des American Indian Movement in den 1970ern, u.a. der Besetzung von Wounded Knee, teilnahm. Der Film Lakota Woman (Frank Pierson, USA 1994), basierend auf der Biographie von Richard Erdoes, erzählt einen wesentlichen Abschnitt der neueren indianischen Geschichte.

This land is our land

Unter dem Thema „This land is our land“ zeigen zwei Dokumentationen den Kampf der Indianer um ihre Landrechte und gegen die Zerstörung der Natur. Die beiden Schwestern Mary und Carrie Dann, die im Zentrum des Dokumentarfilms American Outrage (George & Beth Gage, USA 2008) stehen, wurden für ihr Engagement sogar mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Die Western Shoshone in Nevada berufen sich auf den Vertrag von RubyValley 1863, der ihre Landrechte sicherte, doch immer wieder konfiszieren die Behörden die Tiere der beiden Rancherinnen und missachten deren Rechte. Auf dem Land der Western Shoshone wurden zudem die Atombombentests der USA durchgeführt, deren Folgen für die Gesundheit der Indianer nie untersucht wurden. Bis auf den heutigen Tag fordern die Western Shoshone ihre Rechte – vor Gericht und mit Aktionen.
Die nukleare Verseuchung trifft nicht nur die Western Shoshone, sondern auch die Navajo, auf deren Land Uran abgebaut wird. Die Navajo leben da, wo die meisten Western gedreht wurden: im Südwesten der USA. Die traumhafte Kulisse von Monument Valley war beliebter Schauplatz für die vielen John Wayne-Filme. Was auf der Leinwand nicht zu sehen ist, ist die radioaktive Gefahr, die auch in der Familie von Elsie Mae Begay ihre Spuren hinterlassen hat: Krebs, Tumore und andere Krankheiten. Doch die Navajo kämpfen weiterhin für ihr Land und Leben. Davon erzählt Jeff Spitz in seinem preisgekrönten Dokumentarfilm The Return of the Navajo Boy (USA 2000/2008).

As Long as the rivers flow

„As long as the rivers flow“, hieß es einst in den Verträgen, gehöre das Land den Indianern. Doch das ist längst Vergangenheit. Die Flüsse werden verseucht oder durch Dämme aufgestaut, die den Indianern ihre Lebensgrundlage, den Fischfang, rauben. Merv und Wendy George kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben, den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und um ihre Kultur. Seit Urzeiten leben die Karuk, Yurok und Hoopa vom Lachsfang entlang des Klamath River im nördlichen Kalifornien. Doch die Staudämme der PacifiCorp bedrohen ihre Existenz, wenn sie den Strom der Lachse verhindern und sich der Fluss in eine giftige Brühe verwandelt. 2002 starben nahezu 70.000 Lachse. Zwei Jahre lang hat Regisseur Ben Kempas die Indianer in ihrem Kampf um ihre Rechte, dem Upstream Battle (D 2008) begleitet.
Wasser ist auch im Südwesten der USA kostbar und den Indianern heilig. Auf den San Francisco Peaks in Arizona soll ein Skigebiet erweitert werden. Das Problem: Seit dem Klimawandel gibt es nicht mehr genug Schnee. Der Betreiber, Arizona Snowbowl, will daher Abwasser der nahen Stadt Flagstaff zu Kunstschnee verarbeiten. Umweltschützer und Indianer protestieren gegen die Zerstörung der Natur und gegen die Missachtung ihrer Religionsrechte, denn die Berge gelten 13 indianischen Nationen als heilig. Klee Benally, Musiker der Navajo-Punkband Blackfire und Aktivist, klärt in seinem Dokumentarfilm
The Snowbowl Effect (USA 2005) über die Hintergründe des Projekts auf und zeigt den Widerstand der Indianer.

We will survive – Indianischer Widerstand

Vor allem seit den 1970er Jahren und dem Erstarken des American Indian Movement ist der indianische Widerstand vor allem mit einem Namen verbunden: John Trudell. Der letzte Themenabend der Indianer-Filmwoche widmet sich diesem Widerstand. Trudell (USA 2004), wie der Dokumentarfilm von Heather Rae schlicht heißt, beschränkt sich nicht nur auf den Werdegang des prominenten Aktivisten und Gespräche mit dem letzten offiziellen AIM-Direktor, sondern beleuchtet zugleich einen entscheidenden Abschnitt der jüngsten indianischen Geschichte.
Teil dieser Geschichte ist auch der Konflikt um Wounded Knee, die Korruption der Stammesräte und den Uranabbau in den Black Hills. Daraus hat Michael Apted einen spannenden Film gemacht: Thunderheart (USA 1992), der direkt in die explosive Situation in der Pine RidgeReservation der Lakota in South Dakota Mitte der 1970er Jahre führt und sich an die Geschichte von Leonard Peltier anlehnt. Das FBI soll einen Mord auf der Reservation aufklären. Der junge FBI-Agent Ray LeVoi (Val Kilmer) soll seinem reiferen Kollegen (Sam Shepherd) bei den Untersuchungen im Reservat helfen. LeVoi, selbst ein Halbblut, wehrt sich zunächst gegen seine indianischen Wurzeln, bis ein Sumpf aus Korruption und Gewalt ihn seine wahre Identität erkennen lässt. Unterstützung erfährt er dabei durch den Stammespolizisten (Graham Greene), der ihm die Augen für die Wahrheit öffnet. Spannend, witzig und bewegend bildet Thunderheart den gelungenen Abschluss der Filmwoche.


 


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Do 28.04. “Echte Indianer"

Fr 29.04. On the Rez
19:00 Surviving Canada - Mushua Innu
(Ed Martin, CDN, 2004, engl.)
21:00 Skins
(Chris Eyre, USA, 2002, engl)

Sa 30.04. Rauchzeichen
19:00 The Canary Effect
(Yellow Thunder Woman/Robin Davey, USA, 2010, engl.)
21:00 Smoke Signals
(Chris Eyre, USA, 1998, dt.)

So 01.05. Indianische Frauen
19:00 Donnervogelfrau
(Bertram Verhaag/Claus Biegert, D, 2003, dt.)
-Der Regisseur Claus Biegert wird anwesend sein.-
21:00 Lakota Woman
(Frank Pierson, USA, 1994, engl.)

Mo 02.05. This is our land
19:00 American Outrage
(George Gage/Beth Gage, USA, 2008, engl)
21:00 The Return of Navajo Boy
(Jeff Spitz, USA, 2000/2008, engl)

Di 03.05. As long as the rivers flow
19:00 The Snobowl effect
(Klee Benally, USA, 2005, engl)
21:00 Upstream Battle
(Ben Kempas, D, 2008, engl/dt. UT)

Ä N D E R U N G
Fr 06.05. We will survive –Indianischer Widerstand
19:00 Trudell
(Heather Ray, USA, 2004, engl)
21:00 Thunderheart
(Michael Apted, USA, 1992, dt.)



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