Von Oktober bis Dezember 2000 werden vier indigene Dichterinnen und Dichter vier europäische Länder bereisen. Mit ihrer Dichtung, den Erzählungen und Vorführungen werden sie uns die Geschichten ihrer Völker näherbringen und ihre Kultur und Lebensweise vorstellen. überall auf der Welt sind Stammesvölker durch die wirtschaftlichen Interessen vor allem multinationaler Konzerne in ihrer Existenz bedroht. Die Lesereise »Words from the edge« bietet eine einzigartige Gelegenheit einzutauchen in die vielfältigen Welten von Stammesvölkern von vier Kontinenten.
Die Dichterinnen und Dichter, zwei Frauen und zwei Männer, leben von ihrer Kunst und bringen einen reichen Schatz an Wissen um ihre Tradition und Kultur, aber auch um die heutige Lebenssituation ihrer indigenen Völker, mit. Zwei der Künstler ergänzen ihre Lesung mit Performance und traditioneller Trommelbegleitung. Wir laden Sie ein, durch die Bilder und Geschichten der Künstler ihre Welten zu betreten. Ihre Stimmen spiegeln eine leidenschaftliche und tiefgründige, seit Jahrtausenden existierende Welt: Stimmen vom Rand, wo wir uns in einer Atmosphäre von Offenheit, Mut und Frieden begegnen können.
Die Lesungen sind mit deutscher Übersetzung. Die Texte sind auch in Buchform als Anthologie erhältlich. Initiator des Projektes ist Lance Henson, Cheyenne-Dichter und einer der beteiligten Autoren. Gesamtkoordinatorin ist Lisa Schnorf. Die Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V. ist unter anderem zuständig für den in München stattfindenden Teil der Lesereise. Weitere Organisatoren: Gesellschaft für bedrohte Völker, Huka Hey, Arbeitskreis Indianer heute, Incomindios.
Termin in München: 9. Dezember 2000, 19 Uhr im GAP, Goethestraße 34.
Nachtrag aus aktuellem Anlaß (6.11.2000): Wegen Erkrankung kann Marry Somby an den nächsten Stationen der Lesetour leider nicht weiter teilnehmen. An dieser Stelle möchten wir auf das Buch verweisen, in dem ihre Texte abgedruckt sind.
Marry Ailonieida Somby
Marry Ailonieida Somby ist Sami aus Deatnu/Tana in Norwegen. Sie hat das erste Kinderbuch in Sami veröffentlicht, daneben vier Gedichtbände und mehrere Theaterstücke. Sie hat an der Universität von Tromso studiert. Neben der Dichtung arbeitet sie mit Puppentheatern. Sie hat zudem Filmdramaturgie studiert und war mit einer Sami-Band auf Welttournee. Marry Somby hat sowohl in Nord- als in auch Südamerika gelebt und ist deshalb vertraut mit der Situation der indigenen Völker Amerikas. Dieses Verhältnis bildet auch den Hintergrund zu ihrem zweisprachigen Buch »Krigeren, elskeren of klovnen/Mu Apache rahkesvuchta«: Der Krieger, der Geliebte und der Clown. Marry Somby wird begleitet in ihrer Lesung/Performance von Sami-Trommler Björn Pedersen.
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Apirana Taylor
Apirana Taylor ist Maori-Dichter aus Neuseeland. Er sagt, dass er von »Ngati Porou, Te Whanau a Apanui, Ngati Ruanui und Ngati Pakeha« abstammt. Apirana ist Schriftsteller, Schauspieler, Geschichtenerzähler und Maler. Er hat verschiedene Bücher (Gedichte, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Romane) veröffentlicht. Er ist einer der Begründer des zeitgenössischen Maori-Theaters. Er hat verschiedene Auszeichnungen erhalten, sowohl für seine Schriften als auch für seine schauspielerischen Leistungen. Seit einiger Zeit lebt Apirana Taylor von seiner Kunst. Er ist engagiert für die Rechte der Maori und für eine bessere Schulbildung für die Maori. Er stammt aus einer Künstlerfamilie: Seine Schwester hat das Drehbuch zum Film »Once were warriors« geschrieben. Seine Lesung begleitet er mit traditioneller Musik und Waffentanz.
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Thounaojam Chanu Ibemhal-Memchoubi
Memchoubi ist eine Meitei-Dichterin aus Manipur, Indien. Sie hat acht Bücher veröffentlicht. Ihre Gedichte sind zum Teil in der Stammessprache geschrieben. Sie hat zahlreiche literaturkritische Essays verfasst und engagiert sich im Kampf um die Rechte indigener Frauen in Indien. So ist sie zum Beispiel Präsidentin des »Manipur Chanura Leishem Marup«, einer Organisation indigener Frauen für Frauenrechte und Selbstbestimmung. Sie hat einen Master of Arts und einen Ph.D. und hat verschiedene Auszeichnungen für ihre Literatur und Forschung zu Frauen- und anderen Themen der Meitei-Kultur erhalten.
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Lance Henson
Lance Henson ist Cheyenne-Dichter aus Oklahoma, USA. Er hat an der Universität von Tulsa als Master of Fine Arts in Schriftstellerei abgeschlossen und hat seither über 20 Bücher, die in 25 Sprachen weltweit übersetzt sind, herausgegeben. Lance ist mit der Cheyenne-Kultur aufgewachsen, er ist Mitglied der Native American Church, des Clans der Hundesoldaten seines Stammes und hat mehrere Male sowohl als Tänzer als auch als »painter« am Sonnentanz seines Volkes teilgenommen. Er hat die Cheyenne-Nation vor der UNO-Arbeitsgruppe zu indigenen Völkern vertreten und setzt sich seit über 30 Jahren aktiv für die Rechte seines Volkes ein. 1999 hatte er eine Gastprofessur an der Universität von Udine (Italien) inne. Er ist Mitbegründer und Professor der 2000 gegründeten indigenen Universität »College of the Red Winds« in Amerika.
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