Defenders of the Land Protest gegen Wirtschaftsgipfel im Kanada
Am 24. Juni treffen sich die G8 bzw. G20-Staaten in Huntsville bzw. Toronto, Ontario, zum Wirtschaftsgipfel. Kanadas als Gastgeber des Staatentreffens wird sich wieder einmal als Hort von Stabilität und Menschenrechten präsentieren wollen, wie schon zuvor bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver im Februar 2010. Indigene Kommunen und Aktivisten haben sich daher zu einem Netzwerk, Defenders of the Land, zusammengeschlossen, um auf die anhaltende Missachtung indigener Rechte durch Kanada aufmerksam zu machen und ihre Forderungen der Weltöffentlichkeit vorzustellen.
„Wir, die indigenen Völker auf dem Territorium, das als Kanada bekannt ist, verteidigen unser Land, Wasser, unsere Lebensweise und unsere Rechte und erklären hiermit: Wir sind souveräne Nationen. Wir haben das unveräußerliche Recht auf Selbstbestimmung. Wir entscheiden über unsere eigenen Weg in Übereinstimmung mit unseren eigenen Bräuchen, Gesetzen und Traditionen – ohne uns von Kanada oder den Provinzregierungen unser Leben diktieren zu lassen und ohne Einmischung dieser Regierungen,“ heißt es in einer Erklärung der Defenders of the Land. Das Netzwerk verwehrt sich gegen die Missachtung der indigenen Rechte, insbesondere des Aboriginal Title, durch die Regierungen Kanadas und der Provinzen und verweist auf die Bestimmungen der UN-Deklaration der Rechte der Indigenen Völker, die Kanada noch immer nicht akzeptiert und sich damit gemeinsam mit den USA innerhalb der Staatengemeinschaft isoliert hat, denn diese beiden Länder sind die einzigen, die sich gegen die Annahme der Deklaration wehren. In ganz Kanada leisten indigene Völker, u.a. St’at’imc, Grassy Narrows, KI, Okangan oder Innu, Widerstand gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch Abholzung, Fischfarmen, Uranabbau oder Staudämme. Die UN-Deklaration verlangt die „freie, vorherige und informierte Zustimmung“ der Indigenen zu allen Maßnahmen, die sie betreffen, doch davon kann in Kanada keine Rede sehen, wo die blanken Wirtschaftsinteressen weder Rücksicht auf die indigenen Rechte noch auf den Schutz der Umwelt nehmen. „Die Politik der G8/G20-Staaten beeinflusst die indigenen und Vertragsrechte der indigenen Völker in Kanada. Die indigenen und Vertragsrechte sind das zugrunde liegende Prinzip von Eigentum und Rechtshoheit des Landes, Wasser und Ressourcen in Kanada. Das Versagen Kanadas, diese Rechte anzuerkennen, treibt die indigenen Völker in die Armut“, so in der Erklärung der Defenders of the Land. Kanada hat für den diesjährigen Wirtschaftsgipfel das Thema „Klimawandel und Armut von Frauen und Kindern“ zum Schwerpunkt erklärt. Doch gerade in diesem Bereich versagt Kanada, denn die extreme Armut unter den indigenen Völkern hat seinen Grund in der rücksichtslosen Ressourcenpolitik, welche die Lebensgrundlagen der Indigenen zerstört. Die Armut ist zudem einer der Negativfaktoren in der Situation der indigenen Frauen in Kanada. Angesichts der traurigen Situation von über 500 verschwundenen und ermordeten indigenen Frauen klingt die Agenda des Gipfels geradezu zynisch, denn Kanada hat bislang nichts unternommen, um diese Situation zu verbessern. Im Gegenteil werden Finanzmittel für die indigenen Organisationen auch noch gekürzt. Das Netzwerk Defenders of the Land hat daher zu Aktionen anlässlich des G8/G20-Gipfels aufgerufen. Auch wir in Europa können die Forderungen der Indigenen unterstützen und bitten um zahlreiche Briefe an den kanadischen Premierminister Stephen Harper.
Monika Seiller
Info: http://g20.torontomobilize.org
|
PRESSEAUSSENDUNG – HEISSES PFLASTER TORONTO - G8/G20 IN KANADA
Nach den Olympischen Spielen in Vancouver im Februar 2010 werden sich nun alle Augen ein zweites Mal auf Kanada richten, wenn sich dort vom 25. bis 27 Juni 2010 die wirtschaftlich mächtigsten Staaten der Welt im Zuge des G-8 / G-20 Treffens im Bundesstaat Ontario einfinden. Und auch ein weiteres Mal nützen die dort lebenden indigenen Völker diese Medienpräsenz, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Satte 1,9 Millionen kanadische Dollar hat der so genannte „Experience Canada Pavilion“ (den SteuerzahlerInnen) gekostet, den der kanadische Premier Stephen Harper erbauen ließ. Zweck dieses künstlich nachgestellten kanadischen Dorfes ist es, die Medien willkommen zu heißen und während des G8/G20 Gipfels Kanadas Stärken in Wirtschaft und Tourismus zu präsentieren. Weiters wolle Kanada die Chance der diesjährigen Präsidentschaftsposition nutzen, um kanadische Werte wie Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit weltweit anzupreisen. Also, Willkommen in Kanada, dem einzigen Land auf der Welt, das sich noch immer nicht explizit für die UN - Deklaration der Rechte Indigener Völker ausgesprochen hat. Willkommen in Kanada, dem Land, dessen Politik der Enteignung und Kontrolle weiterhin extreme Armut als auch soziale Ungerechtigkeit für die indigenen Völker bedeutet und indigene AktivistInnen kriminalisiert, die für ihre angestammten Rechte kämpfen. Und Willkommen in Kanada, dem Land, dessen wirtschaftliche Bestrebungen jeglichen Gedanken an Nachhaltigkeit vermissen lassen (Ausbeutung von Teersandvorkommen zur Energiegewinnung, „Umbau“ der Natur in Sportstätten wie kürzlich für die Olympischen Winterspiele in Vancouver, gigantische Staudammprojekte, etc.).
Die G-8 Zusammenkünfte der bedeutendsten Wirtschaftsnationen (USA, Kanada, Japan, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Italien und Russland), bei denen Fragen der Weltwirtschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert und danach für die restliche Welt beschlossen werden, wurde schon seit jeher heftig kritisiert. Dieser „Top-down“ Ansatz steht auch im Widerspruch zu indigenen Vorstellungen eines „bottom - up“ Prinzips der Entscheidungsfindung. Daher haben sich schon beim letzten Gipfeltreffen in Hokkaido, Japan, indigene Delegierte aus allen Erdteilen eingefunden, um ihre Rechte, insbesondere in Bezug auf ihre traditionellen Territorien, Kulturen und Mitsprachemöglichkeiten, international einzufordern, wie sie etwa in der UN-Deklaration der Rechte Indigenen Völker definiert werden.
Das Netzwerk „Defenders of the Lands“ (http://www.defendersoftheland.org), bestehend aus verschiedenen indigenen Organisationen und AktivistInnen, ruft auch dieses Jahr zu gemeinsamen Aktivitäten innerhalb eines „Aktionstags für indigene Rechte“ am 24. Juni 2010 auf. Zusammen mit verschiedensten Protestaktionen in ganz Kanada, wird ein Gegengipfel zu G-8 / G-20 in Toronto veranstaltet, um auch indigenen Völkern eine hörbare Stimme zu verleihen. Mit fünf konkreten Forderungen wenden sich die „Defenders of the Land“ dabei an die kanadische Regierung:Kanada muss die UN-Deklaration der Rechte Indigenen Völker annehmen und in vollem Umfang umsetzen.In Zusammenarbeit mit den Indigenen Gemeinden muss Kanada seine jetzige Politik der rassistischen Doktrinen der Entdeckung bzw. terra nullius abschwören und indigene Land- sowie Vertragsrechte, wie sie bereits vom Obersten Gerichtshof von Kanada bestätigt wurden, anzuerkennen und zu respektieren.Kanada muss aufhören, Indigene zu kriminalisieren, die ihre Rechte verteidigen.Bundes- und Provinzregierungen müssen gemeinsame Anstrengungen unternehmen, die Kriminalfälle der verschwundenen und ermordeten indigenen Frauen zu untersuchen und weitere Vorfälle zu verhindern.Indigene Völker Kanadas müssen über alle Aktivitäten, die ihre traditionellen Territorien beeinträchtigen, sei es hinsichtlich Luft, Land, Wasser, Tiere, Pflanzen, Erbe oder traditionellem Wissen, in Kenntnis gesetzt werden und das Recht haben, diese abzulehnen. Auch die indigenen Völker Kanadas heißen die Medien aus der ganzen Welt willkommen; ihre Vorstellungen von und Gestaltung eines „Experience Canada Pavilion“ würde jedoch definitiv anders aussehen.
|