Sioux/Lakota Wort für Wort



Sioux/Lakota – Wort für Wort

Martin Krueger ist Autor dreier Bücher zur Lakota-Sprache – Lakota für Anfänger, Wir sprechen Lakota und Lakota-Verbtabellen. Coyote hat den Sprachkenner, der auch Lakota-Kurse anbietet, gebeten, ein neues Werk aus der Reihe Kauderwelsch des Reise Know-How Verlags fachkundig unter die Lupe zu nehmen: Sioux/Lakota – Wort für Wort.

Im Sommer dieses Jahres erschien im Reise Know – How Verlag Peter Rump in Bielefeld ein Lakota-Reisesprachführer, geschrieben von Dr. Rebecca Netzel, einer promovierten Sprachwissenschaftlerin aus Heidelberg. Der seit Jahren erfolgreich arbeitende Verlag, dessen Bücher in fast jeder Bahnhofsbuchhandlung und in diversen Kaufhäusern erhältlich sind, legt Wert darauf, dass die fremdsprachlichen Texte neben einer korrekten deutschen Übersetzung mit einer Wort-für-Wort-Übersetzung versehen sind, was das Lernen der betreffenden Fremdsprache wesentlich erleichtert. Diese neue Methode des Fremdspracherwerbs, Birkenbühlmethode genannt, setzt sich nach und nach immer mehr durch, und wird auch in meinen Büchern und Kursen favorisiert. Kaum größer als ein Reisepass passt es in jede Hemd – oder Hosentasche. Das handliche Taschenbuchformat und die Wort-für-Wort-Übersetzung sind aber nicht die einzigen Vorteile des Werkes. Wer sich z.B. für das Indianerhobby, Powwows oder die spirituelle Welt der Lakota interessiert, der wird hier fündig, denn das Buch enthält eine ganze Reihe nützlicher Vokabeln aus diesen Bereichen. So erfährt der Leser wie man „mit der Pfeife beten“ oder andere sakrale Redewendungen auf Lakota sagen kann. So manchem einheimischen Pseudo-Schamanen wird das Herz höher schlagen, dass er nun mit Hilfe dieses Buches seinen Schwitzhütten- und Pfeifenritualen etwas mehr Authentizität verleihen kann. Die Tipps für das Verhalten im Reservat oder in der freien Natur sind nützlich und gut recherchiert. Man merkt, dass die Autorin, im Gegensatz zu anderen, die sich mit dem Thema Lakota befassen, zumindest einmal vor Ort war. Kleinere grammatikalische Fehler, die auch in meinen Büchern, ja in allen mir bekannten Werken über den Lakota-Dialekt vorkommen sind nicht der Rede wert. Das Einzige, was auch einem Menschen auffallen wird, der kein Lakota spricht, sind die falschen Übersetzungen einiger Monatsnamen wie dem Mai, dem September und dem Oktober. Diese Monate haben alle etwas mit der Farbe oder Beschaffenheit der Blätter „wape“ zu tun, welches von der Autorin fälschlicher Weise mit Zweige übersetzt wurde. Und so kommt es zu einem nie da gewesenen Naturphänomen, dass die Zweige an Stelle der Blätter im Mai grün, im September braun sind und im Oktober von den Bäumen fallen. Ein anderer Übersetzungsfehler, der Ärger bringen könnte, ist die falsche Übersetzung des Verbs „trinken“, für das es zwei Übersetzungen gibt. Die Übersetzung „yatkan“ die mit „bl“ und „l“ konjugiert wird, bedeutet „trinken“ im Sinne von „ein Getränk zu sich nehmen“. Die Übersetzung des von der Autorin benutzten Begriffs „wayatkan“ bedeutet „saufen“, also Alkohol in Übermaß zu sich zu nehmen und sollte mit Vorsicht benutzt werden. An diversen Stellen im Buch hat man den Eindruck, dass der Autorin meine Lehrbücher bekannt sind, hat sie doch an einigen Stellen die gleichen Fehler gemacht wie ich. Trotzdem war sie bei der Angabe der Literaturhinweise leider nicht ehrlich genug, zu schreiben, dass auch sie von meinen Erstlingswerken profitiert hat.

Die Autorin gibt in ihrem Vorwort sehr optimistische Zahlen über die Anzahl der Lakotasprecher an. Laut einer Studie des Lakota Language Konsortium sprechen nur noch ca. 7 – 8 % der Lakota fließend ihre Muttersprache und die Zahl nimmt ab (vgl. Reisebericht von Peter Schwarzbauer in dieser Ausgabe). Bei einer Bevölkerungszahl von ca. 80 000 wären das weniger als 8000 Menschen. Die Autorin aber gibt eine Zahl von 36 000 Menschen an, die ich auch nach meinen Erfahrungen für unrealistisch halte. In den Haushalten, die ich besucht habe, und das waren nicht wenige, sprachen die Leute überwiegend Englisch mit ein paar Lakotafloskeln zwischendurch.

Trotz der oben beschriebenen Unzulänglichkeiten, kann ich das Buch weiterempfehlen, nicht zuletzt deshalb, weil es von einem angesehenen Verlag publiziert wurde, der schon seit Jahren erfolgreich Sprachführer publiziert.

Sioux/Lakota Wort für Wort, Dr. Rebecca Netzel, Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld, 2005, 192 Seiten, 7,90 Euro (begleitendes Tonmaterial ist separat erhältlich)

Infos zur den Büchern und Kursen von Martin Krueger: www.indianersprachen.de



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