Zorro

Ach, die indianische Großmutter ... Isabelle Allendes neuer Roman „Zorro“

Der Rächer der Witwen und Waisen, der sanfte Herzensbrecher, den wir aus unzähligen Verfilmungen verköpert von Douglas Fairbanks bis Antonio Banderas kennen, hat nicht nur eine indianische Großmutter, sondern eine wilde und stolze indianische Kriegerin zur Mutter!
Wie immer man Allendes literarische Fähigkeiten einschätzen mag, der neue Roman ist ein schlechter Witz und der Auftrag, ein Buch zum Film zu schreiben für eine weltbekannte Autorin eigentliche eine Peinlichkeit!
Kein Klischee bleibt in dem dicken Schmöker verschont. Die Indianer sind unter den Augen des Missionars „sanftmütige Schützlinge“, doch kaum kehrt man ihnen den Rücken zu, zeigen sie ihr wahres Wesen: wild, heimtückisch und mit überirdischen Kräften im Bunde. Die Großmutter entpuppt sich als mächtige Schamanin und die Mutter als tapfere Kriegerin, die sich den Feinden mutig entgegenstellt, denn „in ihren Augen blitzte ein wildes Flackern, sie bleckte die Zähne wie ein tollwütiger Hund“ (72) Wie sonst hätte auch der zarte Diego de la Vega zum legendären, draufgängerischen Zorro entwickeln können. Wie jeder Held muss er das traute Heim verlassen und in die weite Welt ziehen, die ihn erst zur Kultivierung in die „alte Welt“ führt, dann in eine hollywoodreife Karibik, bevor er seine Bestimmung in Kalifornien findet - mit Cape, Maske und Degen. Pfeil und Bogen braucht er nun nicht mehr - und dem Leser bleibt hoffentlich die Androhung „Fortsetzung folgt“ erspart. Die letzten Worte, denen ich aus vollem Herzen zustimmen kann, gebühren der Autorin: „Ich habe genug von Zorro und glaube, es ist Zeit für den Schlusspunkt.“

Isabel Allende, Zorro, 443 Seiten, aus dem Spanischen von Svenja Becker, Suhrkamp 2005, 22,80 Euro



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